Sonntag, 27. August 2006

Unser erstes Treffen nach der Sommerpause

Da das mit dem Protokoll einfach nicht so hinhaut, wie geplant war, will ich zumindest ein kurzes, sehr subjektives Kurzresummee unseres letzten Neigungsgruppentreffens ziehen. Es kann ja jede hinzufügen, was ihr eventuell abgeht, kommentieren, was sie so nicht stehen lassen will, oder weiterdenken, was ihr wichtig vorkommt. So kommt dann nicht nur ein statisches Protokoll, sondern vielleicht sogar eine dynamische Internetdiskussion zustande, an der auch unser ausgewanderter Genosse Clochard teilhaben kann.
Also versuchen wir’s mal:
Folgende Punkte sind mir am deutlichsten im Gedächtnis geblieben:

1.) Was kann eine „Lebensperspektive“ sein?
Genossin Bell hat das Problem eines Mangels an Lebensperspektiven aufgeworfen. Die Frage nach der Perspektive, darüber waren wir uns irgendwie einig, steht mit dem Begriff des Handelns bei Hanna Arendt in einem Zusammenhang. Arendt begreift das Handeln im Unterschied zum Herstellen, als eine Tätigkeit, die einen Raum eröffnet, der ebenso durch Unsicherheit wie durch Möglichkeit gekennzeichnet ist. Während das Herstellen ein inneres Bild in der Objektwelt verwirklicht, sozusagen nur die vollständige Umsetzung einer bereits zuvor existierenden Idee ist, zeichnet sich das Handeln dadurch aus, dass seine Folgen eben gerade nicht absehbar sind, sondern vielmehr Ereignisse ins Rollen bringt, die in letzter Konsequenz nicht kalkulierbar sind. Souveränität ist demnach auch nicht gleichzusetzen mit „Allmacht“, die dem Souverän alles durchzusetzen ermöglicht, so wie er es für sich ersinnt. Souveränität heißt für Arendt vielmehr die Möglichkeit, das Alltägliche abzuschließen und einen Neuanfang zu setzen.
Und da wären wir bei der Lebensperspektive: Eine Lebensperspektive kann in diesem Sinn nicht ein bestimmter Punkt sein, den man ansteuert (Familie, Kinder, Karriere, Auswanderung), und wenn man ihn erreicht hat, hätte sich das Leben erfüllt. Perspektive kann keinen positiven Inhalt haben und soll vielmehr so etwas heißen, wie das Auftun von Möglichkeiten, das Überschreiten einer Grenze, jenseits derer sich ein Panorama an Optionen auftut, das aus der alltäglichen Lebenssituation heraus nicht wahrgenommen werden kann. Wenn ich eine Lebensperspektive haben möchte, dann heißt das daher nicht, dass ich mir ein Lebensziel setzen will, sondern dass ich Einblick in die Fülle des Lebens an sich haben möchte – ein Einblick, der aus der Enge des alltäglichen Lebens heraus verwehrt bleiben muss.

2.) Ist Fußball böse?
Zu dem Thema gibt’s ja schon den Link im Eintrag der Genossin Gingerbox, die sich zu meinem Unbill als radikale Fußballhasserin geoutet hat. Pfui!
Aber jenseits aller gegenseitigen Polemiken hat sich doch ein interessanter Gedanke aufgetan. Genossin Gingerbox hat darauf hingewiesen, dass es im Fußball (was aber wohl für viele andere Mannschaftssportarten auf gleiche Weise gilt) auf so was ankommt, wie gegnerische Territorien zu erobern, und den Gegner quasi in Form des Toreschießens zu penetrieren (um nicht zu sagen, in den Arsch zu ficken).
Das hat ja was für sich, denke ich mir da. Fußball wie andere Mannschaftssportarten haben etwas Kriegerisches (es geht um Territorien, die man sich gegenseitig streitig macht) und sind auf sehr abstrakter Ebene auch aggressiv sexuell konnotiert (siehe oben): einer fickt quasi immer den anderen.
Anders ist das in Einzelsportarten etwa der Leichtathletik, im Schwimmen, im Radfahren etc. Dort geht es nicht um den Kampf gegen einen konkreten Gegner, sondern um ein abstraktes Ziel: in seiner zugespitzten Form die Ziellinie, die zu erreichen ist, oder die Latte, die zu überspringen ist etc. Und daraus haben sich wiederum zwei interessante Fragen ergeben:
Kann man erstens aus dieser strukturellen Differenz vielleicht ableiten, dass diese Sportarten von Grund auf „besser“ wären als jene?
Und wie ist zweitens die Tatsache zu deuten, dass die UdSSR (so wie die meisten Länder des Ostblocks) Zeit ihres Bestehens in der Leichtathletik eine Vorreiterrolle gespielt hat, während sie im Fußball Vergleichsweise wenig erfolgreich war? Kann man gar die Vermutung anstellen, dies könnte mit der allgemeinen Orientierung an abstrakten Werten zusammenhängen, mit dem Glauben an die bessere Welt?

3.) Genossin Rocky hat folgende These zur Diskussion gestellt: Die derzeitige Situation weltweiter Migrationsbewegungen führt dazu, dass die Menschen Ängste ablegen und sich ihnen Perspektiven eröffnen, die sie von etwa ihrer Eltern- und Großelterngeneration unterscheiden. Ich bin mir diesbezüglich aus verschiedenen Gründen nicht ganz so sicher, deshalb kann ich das Argument hier auch nicht im Detail wiedergeben. Aber man kann das ja ausdiskutieren, wenn Bedarf besteht.

Soviel von meiner Seite.
Schaunmermal.

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