ja leckmichamarschpaula, hier gehts dahin mit einträgen jaleckmichamarsch
ALLES GUTE IM NEUEN JAHR!!!
HURRA 2007!
jetz gehtz aber so richtig los
befreiungstheorien im
elchtest
(via
tristan)
gingerbox - 13. Nov, 20:11
von meiner handvoll zitate, mit denen ich mich durchs leben hantle, habe ich gestern zwei erwähnt. eines lautet im volltext folgendermaßen und stammt aus adornos minima moralia. hervorhebung von mir. bitteschön:
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Darf ich's wagen. - Wenn der Dichter im Schnitzlerschen Reigen dem süßen Mädel, das als das freundliche Gegenteil einer Puritanerin vorgestellt wird, zärtlich sich nähert, sagt sie: "Geh, willst nicht Klavier spielen?" Weder kann sie über den Zweck des Arrangements im Ungewissen sein, noch leistet sie eigentlich Widerstand. Ihre Regung führt tiefer als die konventionellen oder psychologischen Verbote. Sie bekundet archaische Frigidität, die Angst des weiblichen Tiers vor der Begattung, die ihm nichts als Schmerz antut. Lust ist eine späte Errungenschaft, kaum älter als das Bewußtsein. Sieht man, wie Tiere zwangshaft, unter einem Bann, zusammenkommen, so durchschaut man den Satz "Wollust ward dem Wurm gegeben" als ein Stück idealistischer Lüge, zumindest was die Weibchen anlangt, denen die Liebe aus Unfreiheit widerfährt, und die sie nicht anders kennen denn als Objekte der Gewalt. Etwas davon ist den Frauen, zumal denen des kleinen Bürgertums, bis in die spätindustrielle Ära hinein geblieben. Das Gedächtnis an die alte Verletzung lebt noch fort, während der physische Schmerz und die unmittelbare Angst durch Zivilisation behoben sind. Die Gesellschaft wirft die weibliche Hingebung stets wieder auf die Situation des Opfers zurück, aus der sie die Frauen befreite. Kein Mann, der einem armen Mädchen zuredet, mit ihm zu gehen, wird, solange er sich nicht ganz stumpf macht, das leise Moment des Rechts in ihrem Widerstreben verkennen, dem einzigen Prärogativ, welches die patriarchale Gesellschaft der Frau läßt, die, einmal überredet, nach dem kurzen Triumph des Nein sogleich die Zeche zu bezahlen hat. Sie weiß, daß sie als die Gewährende seit Urzeiten zugleich die Betrogene ist. Geizt sie jedoch darum mit sich, so wird sie erst recht betrogen. Das steckt im Rat an die Novizin, den Wedekind einer Bordellwirtin in den Mund legt: »Es gibt eben nur einen Weg in dieser Welt, um glücklich zu sein, das ist, daß man alles tut, um andere so glücklich wie möglich zu machen.« Die eigene Lust hat zur Voraussetzung das schrankenlose sich Wegwerfen, dessen die Frauen um ihrer archaischen Angst willen so wenig mächtig sind wie die Männer in ihrer Aufgeblasenheit. Nicht bloß die objektive Möglichkeit - auch die subjektive Fähigkeit zum Glück gehört erst der Freiheit an.
gingerbox - 27. Okt, 18:58
Wie schauts's mit Terminen aus? Ich denke, wir sollten uns zumindest vornehmen, uns jeden Monat ein mal zu treffen. Ob's dann was wird oder nicht, sieht man im Einzelfall. Kann man einmal ein paar Terminvorschläge für Ende November/Anfang Dezember reinstellen?
Ad Lektüre: Gestern haben wir uns noch ein wenig Gedanken gemacht, nachdem sich Genossin Gingerbox bereits verabschiedet hatte, um am nächsten Tag ihre Kreativkraft wieder ergiebig ausbeuten lassen zu können. Wir dachten uns, es wäre eine interessante Abwechslung, einmal keinen theoretischen sondern einen literarischen Text zu lesen und den dann zu theoretisieren - nicht literaturwissenschaftlich, sondern in Hinblick auf unsere Themen, die ja eh immer wieder um dieselben Dinge kreisen.
Folgender Vorschlag ist dann gekommen: Jonathan Lethem: "Als sie über den Tisch kletterte."
Heute in der Nacht hatte ich in einer Schlafpause dann aber noch folgende Inspiration: "Arthur Schnitzler: Die Traumnovelle." Hat das schon jemand von euch gelesen? Mich würde das sehr interessieren. Ich glaube, dass man damit ideal an unsere alten Themen anschließen kann: Gefühl, Lust, Langeweile, Psychoanalyse, Arbeit (das vielleicht weniger) etc.
Was haltet ihr davon?
Fidel - 27. Okt, 10:33
also wann am do?
um 19h in dem pub in der währingerstr. gegenüber votivkino? da gibts so art separees hinten, da wärma ungestört.
was sagts es?
liebe alle,
oiso, mögliche termine wären:
do, 19.10.
fr, 20.10.
do, 26.10.
fr. 27.10.
wie schauts aus?
kommender donnerstag, 14. september, 19.00 uhr
lektüre:
gefühle in zeiten des kapitalismus
gingerbox - 12. Sep, 16:21
Da das mit dem Protokoll einfach nicht so hinhaut, wie geplant war, will ich zumindest ein kurzes, sehr subjektives Kurzresummee unseres letzten Neigungsgruppentreffens ziehen. Es kann ja jede hinzufügen, was ihr eventuell abgeht, kommentieren, was sie so nicht stehen lassen will, oder weiterdenken, was ihr wichtig vorkommt. So kommt dann nicht nur ein statisches Protokoll, sondern vielleicht sogar eine dynamische Internetdiskussion zustande, an der auch unser ausgewanderter Genosse Clochard teilhaben kann.
Also versuchen wir’s mal:
Folgende Punkte sind mir am deutlichsten im Gedächtnis geblieben:
1.) Was kann eine „Lebensperspektive“ sein?
Genossin Bell hat das Problem eines Mangels an Lebensperspektiven aufgeworfen. Die Frage nach der Perspektive, darüber waren wir uns irgendwie einig, steht mit dem Begriff des Handelns bei Hanna Arendt in einem Zusammenhang. Arendt begreift das Handeln im Unterschied zum Herstellen, als eine Tätigkeit, die einen Raum eröffnet, der ebenso durch Unsicherheit wie durch Möglichkeit gekennzeichnet ist. Während das Herstellen ein inneres Bild in der Objektwelt verwirklicht, sozusagen nur die vollständige Umsetzung einer bereits zuvor existierenden Idee ist, zeichnet sich das Handeln dadurch aus, dass seine Folgen eben gerade nicht absehbar sind, sondern vielmehr Ereignisse ins Rollen bringt, die in letzter Konsequenz nicht kalkulierbar sind. Souveränität ist demnach auch nicht gleichzusetzen mit „Allmacht“, die dem Souverän alles durchzusetzen ermöglicht, so wie er es für sich ersinnt. Souveränität heißt für Arendt vielmehr die Möglichkeit, das Alltägliche abzuschließen und einen Neuanfang zu setzen.
Und da wären wir bei der Lebensperspektive: Eine Lebensperspektive kann in diesem Sinn nicht ein bestimmter Punkt sein, den man ansteuert (Familie, Kinder, Karriere, Auswanderung), und wenn man ihn erreicht hat, hätte sich das Leben erfüllt. Perspektive kann keinen positiven Inhalt haben und soll vielmehr so etwas heißen, wie das Auftun von Möglichkeiten, das Überschreiten einer Grenze, jenseits derer sich ein Panorama an Optionen auftut, das aus der alltäglichen Lebenssituation heraus nicht wahrgenommen werden kann. Wenn ich eine Lebensperspektive haben möchte, dann heißt das daher nicht, dass ich mir ein Lebensziel setzen will, sondern dass ich Einblick in die Fülle des Lebens an sich haben möchte – ein Einblick, der aus der Enge des alltäglichen Lebens heraus verwehrt bleiben muss.
2.) Ist Fußball böse?
Zu dem Thema gibt’s ja schon den Link im Eintrag der Genossin Gingerbox, die sich zu meinem Unbill als radikale Fußballhasserin geoutet hat. Pfui!
Aber jenseits aller gegenseitigen Polemiken hat sich doch ein interessanter Gedanke aufgetan. Genossin Gingerbox hat darauf hingewiesen, dass es im Fußball (was aber wohl für viele andere Mannschaftssportarten auf gleiche Weise gilt) auf so was ankommt, wie gegnerische Territorien zu erobern, und den Gegner quasi in Form des Toreschießens zu penetrieren (um nicht zu sagen, in den Arsch zu ficken).
Das hat ja was für sich, denke ich mir da. Fußball wie andere Mannschaftssportarten haben etwas Kriegerisches (es geht um Territorien, die man sich gegenseitig streitig macht) und sind auf sehr abstrakter Ebene auch aggressiv sexuell konnotiert (siehe oben): einer fickt quasi immer den anderen.
Anders ist das in Einzelsportarten etwa der Leichtathletik, im Schwimmen, im Radfahren etc. Dort geht es nicht um den Kampf gegen einen konkreten Gegner, sondern um ein abstraktes Ziel: in seiner zugespitzten Form die Ziellinie, die zu erreichen ist, oder die Latte, die zu überspringen ist etc. Und daraus haben sich wiederum zwei interessante Fragen ergeben:
Kann man erstens aus dieser strukturellen Differenz vielleicht ableiten, dass diese Sportarten von Grund auf „besser“ wären als jene?
Und wie ist zweitens die Tatsache zu deuten, dass die UdSSR (so wie die meisten Länder des Ostblocks) Zeit ihres Bestehens in der Leichtathletik eine Vorreiterrolle gespielt hat, während sie im Fußball Vergleichsweise wenig erfolgreich war? Kann man gar die Vermutung anstellen, dies könnte mit der allgemeinen Orientierung an abstrakten Werten zusammenhängen, mit dem Glauben an die bessere Welt?
3.) Genossin Rocky hat folgende These zur Diskussion gestellt: Die derzeitige Situation weltweiter Migrationsbewegungen führt dazu, dass die Menschen Ängste ablegen und sich ihnen Perspektiven eröffnen, die sie von etwa ihrer Eltern- und Großelterngeneration unterscheiden. Ich bin mir diesbezüglich aus verschiedenen Gründen nicht ganz so sicher, deshalb kann ich das Argument hier auch nicht im Detail wiedergeben. Aber man kann das ja ausdiskutieren, wenn Bedarf besteht.
Soviel von meiner Seite.
Schaunmermal.
Fidel - 27. Aug, 17:21